Gewinn privat, Risiko kommunal
Koalition startet Verfahren, bevor Alternativen geklärt sind
In der gestrigen Sitzung am 9. Juli 2026 hat der Planungsausschuss mit den Stimmen von CDU und SPD den Aufstellungsbeschluss für die Erweiterung des Phantasialands gefasst – gegen die Stimmen der Linken und der Grünen. Die Linke kritisiert diese Entscheidung scharf: Die Koalition setzt sich über die begründeten Sorgen einer breiten Öffentlichkeit hinweg und weigert sich, vor dem Einstieg ins Verfahren die Standortfrage zu klären und offenzulegen, welche Alternativen bislang geprüft wurden.
Die Linke hatte dazu einen Antrag vorgelegt, der vor jeder weiteren Entscheidung Klarheit verlangt hätte: Welche Standorte für eine Erweiterung des Phantasialands wurden bislang geprüft – mit welchem Ergebnis, auf welcher Grundlage, und tragen diese Grundlagen unter den heutigen Bedingungen überhaupt noch? Und wurden auch Konzepte geprüft, die nicht unmittelbar an das bestehende Gelände angrenzen, sich aber verkehrlich – etwa über eine Shuttle-Anbindung – erschließen ließen? Der Antrag wurde mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP/Volt abgelehnt.
Mit dieser Ablehnung setzt die Koalition das Verfahren zur Überplanung eines förmlich ausgewiesenen Naturschutzgebiets fort, ohne offenzulegen, ob es überhaupt eine schonendere Lösung gibt.
„Die Umwandlung eines Naturschutzgebiets ist der schwerstmögliche Eingriff, den unser Naturschutzrecht kennt – sie kommt nur als letztes Mittel in Betracht", sagt Matthias Appelt, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Vertreter der Linken im Planungsausschuss. „Wer diesen Eingriff will, trägt die Beweislast, dass es keine Alternative gibt. Statt diesen Nachweis zu verlangen, hat die Koalition ihn weggestimmt. Das ist keine ergebnisoffene Prüfung – das ist eine Vorfestlegung."
Das Naturschutzgebiet Ententeich ist ein fast hundert Jahre alter Feucht- und Bruchwald, Kaltluftquelle für angrenzende Wohngebiete und Rückhaltefläche bei Starkregen. Der angebotene Ausgleich aus neu aufgeforsteten Flächen kann das nicht ersetzen.
„Einen hundertjährigen Lebensraum bestellt man nicht in der Baumschule", so Appelt weiter. „Und das Risiko bleibt bei der Allgemeinheit: Wer eine Rückhaltefläche versiegelt, verschärft die Hochwassergefahr – für Brühl und für die Nachbarkommune Bornheim, die von den Folgen betroffen ist, ohne mitentscheiden zu dürfen."
Hinzu kommt der Eigentumswechsel: Die Fläche gehört bis heute dem Land, also der Allgemeinheit. Mit Inkrafttreten des Bebauungsplans geht sie über einen Tauschvertrag in private Hand über. Am Ende stünde ein öffentliches Schutzgebiet in privatem Eigentum – während erhebliche Folgekosten bei der Allgemeinheit blieben, von Verkehr über den Rettungsdienst bis zum Hochwasserschutz der angrenzenden Ortsteile. Und die versprochenen Gewerbesteuereinnahmen, mit denen das Vorhaben begründet wird, sind bis heute durch nichts belegt – während die Folgekosten feststehen.
„Gewinn privat, Risiko kommunal – das ist die Handschrift dieser Koalition", sagt Şirin Daum Seitz, Fraktionsvorsitzende der Linken. „Mit ihrem Abstimmungsverhalten hat die Koalition gezeigt, dass ihr die wirtschaftlichen Interessen des Phantasialands wichtiger sind als das Gemeinwohl. Dazu gibt es nicht nur unterschiedliche Meinungen, sondern begründete Kritik, die sich vor einem Aufstellungsbeschluss hätte ausräumen lassen. Ein Verfahren anzustoßen, dessen erklärtes Ziel es ist, den Weg für die Erweiterung des Phantasialands frei zu machen, und dabei von ‚ergebnisoffen' zu reden – das ist Augenwischerei."

