Ratsbericht 18.Mai.2026
Phantasialand: Vertagung ist ein Erfolg | Bürger:innen-Sprechstunde: Die Stadt hat Fragen | Die Debatte: Koalition bricht den eigenen Vertrag | 300 Menschen auf der Demo, WDR berichtet
Vertagung ist ein Erfolg – Phantasialand-Erweiterung kommt in den Planungsausschuss
Am Montag, den 18. Mai 2026, hat der Rat der Stadt Brühl über die geplante Erweiterung des Phantasialands beraten. Das Ergebnis: Die Beschlussvorlagen – der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan und die Änderung des Flächennutzungsplans (TOPs 16.1.1 und 16.1.2) – wurden auf Antrag der Grünen in den Planungsausschuss verwiesen. Dort gehören sie hin.
Bürger:innen-Sprechstunde: Die Stadt hat Fragen
Vor der Ratssitzung fand eine einstündige Bürger:innen-Sprechstunde statt – und die war voll. Die vielen kritischen Beiträge machten deutlich: CDU und FDP argumentieren seit Wochen mit „Planungssicherheit". Aber Planungssicherheit gilt auch für Naturschutzgebiete – und das Naturschutzgebiet Ententeich ist ausgewiesen. Das ist kein Hindernis im Verfahren, das ist geltendes Recht. Ebenso eindringlich war die immer wieder gestellte Frage, ob dem Bürgermeister bewusst ist, welchen bundesweiten Präzedenzfall es setzen würde, ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet für einen privaten Freizeitpark zu überplanen.
Unsere Position dazu ist klar: Wir verstehen diese engagierte Bürger:innenschaft nicht als Blockade, sondern als Ressource. Wer das nicht tut, verschenkt Expertise und Vertrauen.
Die Debatte: Koalition bricht den eigenen Vertrag
In der anschließenden Beratung haben Linke und Grüne gemeinsam argumentiert. Şirin Daum Seitz wies in ihrer Rede darauf hin, dass im Koalitionsvertrag von CDU und SPD Brühl ausdrücklich steht, die Umsetzung solle „ausschließlich auf der Grundlage eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans" erfolgen. Im Antrag vom 30. April taucht dieses Wort nicht mehr auf – ohne Erklärung, ohne Begründung.
Die Grünen griffen diesen Punkt auf und stellten einen Änderungsantrag, den Passus wiederherzustellen. Die Koalition bat um Unterbrechung – und kam sichtlich zerzaust zurück. Den Änderungsantrag lehnte sie ab. CDU-Fraktionsvorsitzender Köllejan begründete das mit „Zweifeln an der Umsetzbarkeit" – obwohl es im eigenen Koalitionsvertrag steht.
Zur Verhandlungsposition der Stadt sagte Şirin Daum Seitz in ihrer Rede:
„Das Phantasialand kann übrigens nicht einfach abwandern. Der Standort ist das Geschäftsmodell. Die Verhandlungsposition der Stadt ist stärker, als sie hier gerade genutzt wird."
Präzedenzfall mit bundesweiter Wirkung
Ratskollegin Dalilah Booz machte in ihrem Redebeitrag auf die größeren Zusammenhänge aufmerksam:
„Brühl wird als bestes Beispiel vorangestellt: für die Missachtung von Unterschutzstellungen, für Natur als Verhandlungsmasse, für die Priorität von privatem Profit über Umwelt und Menschen."
Und mit Blick auf Klimaanpassung und das Naturschutzgebiet Ententeich, das als Wasserspeicher und Kühlfläche eine wichtige ökologische Funktion erfüllt:
„In Zeiten, in denen Klimaanpassung eine unserer Prioritäten sein sollte, lautet unsere Antwort klar: gar nicht."
Phantasialand und der Widerspruch
Das Phantasialand selbst meldete sich mit einer Stellungnahme: Man kritisiere die „unnötige weitere Verzögerung" und fordere, das Verfahren solle „ergebnisoffen" geprüft werden. Das ist ein bemerkenswerter Widerspruch: Wer jede kritische Pause als Blockade eines scheinbar längst beschlossenen Vorhabens darstellt, hat „ergebnisoffen" nicht verstanden.
300 Menschen auf der Demo, WDR berichtet
Parallel zur Ratssitzung demonstrierten rund 300 Menschen vor dem Rathaus gegen die Erweiterungspläne. Der WDR berichtete [Beitrag ab 10:17]. Das ist kein Nischenthema – das bewegt diese Stadt.

